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Patina ja, aber bitte nicht runtergerockt….

Es gibt ja viele Unterschiedliche Meinungen zum Erhalt von klassischen Automobilen, vom Originalitäts-Fetischist über Sammler (aber nicht Fahrer) bis zu den “bis der Rost uns scheidet”-Typen. Ich gehöre zu denen, die ein Auto als Gebrauchsgegenstand sehen, das gepflegt wird, nicht 100% original sein muss und dem man die Vergangenheit/ das Alter ruhig ansehen darf – Stichwort Patina (es ist eben KEIN Neuwagen). Aber das Runtergerockte ist so gar nicht meines, daher stand mal wieder ein Tausch an.

Achtung : Wie bei jedem Beitrag zu Reparaturen in diesem Blog erfordern auch die im folgenden Text beschriebenen Arbeiten entsprechendes Wissen, Fachkenntnis und geeignetes(!) Werkzeug. Gerade Teile unter Spannung wie Schraubfedern können bei ungewollter Entspannung enorme Kräfte entwickeln und so zu einer ernsten Gefahr für Leib und Leben werden! Der folgende Text ist keine Anleitung sondern nur eine Beschreibung, wie ich es gemacht habe – nachmachen auf eigene Gefahr.

Nachdem ich vor einigen Tagen bereits die Lehnen der Sitze hinten wegen Risse im Stoff gegen “neue” ersetzt hatte, waren dieses mal die hinteren Seitenverkleidungen dran.

Kein schöner Anblick

Der Zustand der Seitenverkleidungen war bis dato als jämmerlich zu bezeichnen, denn genau im Sichtbereich klaffte auf beiden Seiten ein deutlich sichtbarer Spalt zwischen dem (mit Leder bezogenen) Holzteil und der äußeren Kunststoffabdeckung. Nicht schön und auch weit von “Patina” entfernt. Hier zeigt sich deutlich, das der Vorbesitzer die Verkleidungen (wohl öfters) demontiert hatte, ohne sich über die richtige Vorgehensweise Gedanken zu machen.

Dazu kam noch, das auf der rechten Seite die Abdeckblende für den Tunnel des Gurtbringers fehlte, was auch Einblicke in die Geräuschdämmung des Autos gab. Als Einzelteil sind die Blenden so gut wie nicht zu bekommen, daher habe ich gleich Nägel mit Köpfen gemacht….

“Neuteile” aus der Bucht

Wieder einmal war Ebay zur Stelle und ein Autoverwerter aus Bayern bot beide Seitenteile im ordentlichen Zustand an. Zwar passten vom Leder her die Inlays der Türverkleidungen nicht zu meiner Ausstattung, da sich diese aber problemlos ausbauen lassen war das kein Grund, die Verkleidungen nicht zu kaufen – die richtigen Inlays würden meine noch verbauten Verkleidungen beisteuern.
Also die beiden Seitenteile geordert und 2 Tage später lagen die Teile schon in meiner Garage.

Nachdem ich die “neuen” Verkleidungen von üblichen Lagerrückständen mit Silikonreinigere (Staub, Fett) befreit hatte, konnten die Transplation starten….

Konservierung und Dämmung mit Alubutyl

Nach der Demontage der hinteren Seitenteile habe ich das Karosserieblech von innen mit Bremsenreiniger gesäubert und danach den unteren Bereich ausgesaugt (im Laufe der Jahre sammelt sich da schon einiges an Dreck).

Tipp : Um die Metall-Leiste, welches auch die Kunststoffabdeckung hält, abzubekommen, das Fenster runterkurbeln/fahren und mit einem flachen Schraubendreher vorsichtig die Metallleiste vorsichtig nach oben hebeln. Ein Lappen/Tuch schützt vor Kratzern im Fensterbereich.

Danach habe ich das Fahrzeuggewicht mit 2 Schichten (in der Mitte sogar 3) Alubutyl erhöht – wenn der Bereich schon einmal freiliegt, kann ich auch gleich die Akustik dort optimieren. 🙂

Bevor es an den Einbau der “neuen” Seitenverkleidungen ging, wurden der gesamte untere Bereich noch satt mit FluidFilm konserviert.

Der Einbau der “neuen” Seitenteile

Nachdem ich die “neuen” Seitenverkleidungen mit den alten Inlays versehen hatte, konnte die Montage erfolgen. Es zeigte sich, das die getrennte Montage der äußeren Kunststoff-Abdeckung und der Seitenverkleidung am sinnvollsten ist und erst im eingebauten Zustand eine dauerhafte Verbindung mittels Kleber hergestellt werden sollte.

Für eine stabile (aber dennoch leicht flexible) Verbindung entschied ich mich für einen Montagekleber aus dem Hause Pattex, der neben einer hohen Anfangsfestigkeit auch laut Hersteller für alle Materialien geeignet ist (mit Kunststoff kommt nicht jeder Kleber klar).

Obwohl der Kleber von der Farbe her weiß ist, ist das hier kein Problem, da der Kleber bzw. die Klebestelle (wenn man sorgfältig arbeitet) nicht sichtbar ist. Damit die Klebestelle sich bis zur Durchhärtung des Klebers nicht wieder öffnet, habe ich sie mit schwarzem Gewebeband fixiert.

Nach 48 Stunden wurde das Gewebeband wieder entfernt (dank Markenprodukt ohne Rückstände auf der Verkleidung).

Das Ergebnis

Nun sehen auch die hinteren Seitenverkleidungen aus, wie es sich für ein Auto in diesem Alter gehört – definitiv keine Neuteile, aber auch nicht komplett runtergerockt – sondern ein altersgemäßer Zustand mit Patina.


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